Am Samstag morgen um 9.30 trafen wir uns im sonnigen Innenhof der Freien Kunstschule Hamburg (Friedensallee 44) zur Aktion „Blütenträume“.
Zuerst gingen wir mit Franziska Bauer, Korbinian Fischer, dem Landschaftsgärtner Philipp Baumgärtel und Jochen Abeling in die Räume der Kunstschule. Es ist ein besonderer Ort, überall Farbklekse, Statuen, Leinwände, eine inspirierende Atmosphäre. Bei mir wurden Erinnerungen an den Kunstunterricht in der Schule wach, an Freiräume, ein Ort zum Ausprobieren und Reflektieren. In der gemütlichen Küche erzählte Jochen Abeling uns ca. sieben Teilnehmern bei sehr leckerem Kaffee erst einmal ein wenig zum Hintergrund der Freien Kunstschule, die 1980 von Beuys-Schülern und anderen, die nicht in der Hamburger Kunsthochschule aufgenommen worden waren, gegründet wurde. Die Schule ist für jeden Interessierten offen.
Dann erfuhren wir von dem engagierten und enorm kenntnisreichen Philipp, mehr über die Aktion „Blütenträume“, bei der Wildblumen auf Grünflächen in Hamburg ausgesät und angepflanzt werden, was sowohl für die Natur, als auch für Tiere und für die Menschen viele Vorteile bietet. Die Stadt wird schöner, Bienen und andere Insekten bekommen mehr und vielfältigere Nahrung durch artenreiche Blumen und die Menschen sollen wieder ein stärkeres Gefühl dafür bekommen, ihre eigene Umwelt und auch den „öffentlichen Raum“ selbst gestalten und bestimmen zu können.

Mit einigen Blumenkästen mit Sonnenblumen-Setzlingen (ich entschuldige mich, falls die botanischen und sonstigen Fachbegriffe nicht ganz stimmen, ich bin eigentlich ein völliger Garten-Neuling, fand die Idee aber so schön, dass ich mitgemacht habe) und Metallschaufeln zogen wir dann zu Fuß los durch Altona, um uns ein paar der Beete anzuschauen, die die Aktion schon im Viertel angelegt hat und ein wenig nachzupflanzen. Wir erfuhren dabei von verschiedenen Bodenarten, einigen Fehlern und Problemen beim Säen und Pflanzen in der Großstadt und sahen, wie es auf den kleinen Beeten schon wuchs. Mit schmutzigen Händen und Erde unter den Fingernägeln, aber dem Kopf voller neuer Informationen und voller Freude über die vielen grünen Ecken zogen wir zu den Altonaer Terrassen (der „Aussichtsplattform“ vor dem Rathaus Altona mit Blick auf der Elbe).
Am Fuß davon, fast unter der Brücke, bot sich uns der schönste Anblick: Ein buntes Blumenbeet mit Mohnblumen, Kornblumen, Kamilleblüten und noch sehr vielen anderen, deren Namen ich als Stadtkind gar nicht kannte, wuchs da neben der Straße. Unter fachkundiger und geduldiger Anleitung von Philipp stachen wir „Unkraut“ aus und pflanzten den Rest der Sonnenblumen.

Danach gingen wir sehr befriedigt nach Hause und ich hatte zum ersten Mal ein Gefühl, als wäre die ganze Stadt unser Garten, mit dem gleichen Verantwortungsgefühl, aber auch dem Stolz, den man damit verbindet.
Die Initiative braucht immer Mithelfer und Leute, sich an Aktionen beteiligen oder Beete in ihrer Nachbarschaft pflegen möchten. Alle weiteren Informationen unter:
www.bienenstaat.net
E-Mail: post@bienenstaat.net
Facebook: http://www.facebook.com/bienenstaat
Noch mehr Infos, schöne Bilder und garantiert korrekte botanische Begriffe auf Philipps Blog: http://baumgaertel.wordpress.com/
(Dieser Artikel wurde verfasst von Maike Gosch. Fotos von Ina Müller-Schmoß. Vielen lieben Dank.)


Eure Arbeit ist wundervoll. Würde sehr gerne mitmachen. Zum Urbancamp habe ich es nicht geschafft, weil am letzten Wochenende in Hamburg so viel los war, so viel einmalige Kultur! ;0)