Wir befinden uns heute im Werkheim um zusammen mit den Referenten Henry, Eric und Rebekka an unserem Zweikampfverhalten zu arbeiten.
Bei Eric und Henry handelt es sich um zwei Schüler, die Mitglieder der Zweikampfverhalten-Gruppe sind und die Aufgabe übernommen haben die heutige Gruppe, bestehend aus Teilnehmern des UrbanCamps, mit dem Programm und den Praktiken von Zweikampfverhalten vertraut zu machen. Rebekka ist eine der Initiatoren des Projektes und leitet die Gruppen als Coolness-Trainerin. Die Übungen, Methoden und Verhaltensweisen mit denen wir vertraut gemacht werden sind darauf ausgelegt, Jugendlichen den Umgang mit Gewalt und deren Prävention zu ermöglichen. Die Teilnehmer am Coolness-Training setzen sich üblicherweise aus Fußballer_innen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren zusammen, die durch aggressives Verhalten auf dem Spielfeld aufgefallen sind.
Der Zweikampfverhalten e.V. entstand als Reaktion auf die zunehmende Gewalttätigkeit unter Jugendlichen im Amateurfußball. Mannschaftssport als Form sozialer Interaktion ist ein Katalysator für im Alltag aufgestaute Aggressionen. Das Projekt will sich diesen Umstand zu Nutze machen und setzt direkt dort an wo sich Frust, Enttäuschung und Ärger in gewalttätigen Aktionen Bahn brechen. Wer es schafft dem Gegner im Wettkampf Respekt und Fairness entgegenzubringen schafft dies womöglich auch im Alltag. Durch die Unterstützung von Fußballprofis bekommen die Regeln und Übungen eine nachvollziehbarere Bedeutung für die Jugendlichen. Sie sind mit der Lebenswelt und den Interessen der Teilnehmer verkoppelt.
Das Projekt Zweikampfverhalten erhält Unterstützung vom HSV (Der Hamburger Weg) dessen Spieler zusammen mit der Gruppe trainieren und mit den jungen Fußballern über faires Verhalten auf dem Spielfeld sprechen. Außerdem konnte das Projekt in Hamburg den Gefangene helfen Jugendlichen e.V. und Kampf der Künste als Sponsor gewinnen. In Stuttgart wird der Zweikampfverhalten e.V. durch den VfB Stuttgard und die Evangelische Gesellschaft Stuttgart unterstützt.
Henry und Eric berichten uns von ihren Erfahrungen mit der Gruppe und den Erfahrungen in ihrem sozialen Umfeld. Die Situationen aus denen aktive Gewalt entsteht gleichen sich zumeist in allem Bereichen des Alltages. Sei es die Rempelei im Club, die Pöbelei auf der Straße oder eben auf dem Spielfeld, Gewalt ist allgegenwärtig. Die beiden Schüler zeigen uns verschiedene Situationen mit Konfliktpotenzial auf und bringen sie uns so ins Bewusstsein. Dann besprechen sie mit uns verschiedene Möglichkeiten, wie offensive Gewalt durch vorausschauendes Handeln und Verhaltensstrategie vermeidbar ist.
Das Wissen der Beiden kommt nicht von ungefähr und basiert auf einer Anzahl von Regeln, die die Mitglieder der Gruppe einhalten müssen. So entsteht ein Gefühl für die Zusammenhänge und Erfordernisse von Gruppenprozessen und das Einhalten einer verbindlichen Ordnung, im Sinne aller Beteiligten. Natürlich hat jede/r Gruppenteilnehmer_in jederzeit das Recht die Sitzung zu unterbrechen und sich zu für ihn/sie problematischen Aktionen zu äußern. Wir beginnen mit einer Einführung, die durch die Referenten moderiert wird und stellen uns zunächst einander vor. Mit einer Runde Qigong lockern wir uns auf und gehen dann zum Aufsteh-Spiel über. Dabei werden einfache Aussagen verlesen: Ich bin sportlich; Ich interessiere mich für Fußball; Ich bin schon einmal bedroht worden. Das Aufsteh-Spiel dient dem Herstellen einer gemeinsamen Basis. Wer einer Aussage zustimmt steht auf setzt sich wieder.
So vereinen die Praktiken innerhalb der Gruppe den Einsatz von Körper und Geist und stellen einen ganzheitlichen Effekt her. Das Projekt verbucht erste Erfolge die exemplarisch an Henry und Eric abzulesen sind. Der Zweikampfverhalten e.V. lebt wie jeder andere Verein vom Mitmachen und heißt Interessenten herzlich willkommen. Informationen über Programm und die Verantwortlichen können über Facebook oder direkt über die Webseite des Vereins www.zweikampfverhalten.de eingeholt werden.
(Dieses Beitrag wurde geschrieben von Jan Knackstedt. Vielen Dank)

