Eine neue Aktion, eine neue Situation und viele neue Menschen. Gestern ging es weiter mit der nächsten Veranstaltung von Hometown Glory zur Vernetzung der Stadt. Dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Straßenmagazin Hinz & Kunzt.
Und so ging es um 9h in Altona los: Nach einem kurzen Kennenlernen und Orga, ging es zum Einkauf, und dann gemeinsam zu den Räumen von Hinz&Kunzt. Dort trafen wir dann um 10h ein, und starteten mit der Vorbereitung des Frühstücks.

Mit Isabel hatte ich mir in der Vorarbeit überlegt, dass wir als Hilfestellung einen Fragebogen an das Frühstücksteam geben. Dieser sollte den Kontakt zu den Hinz&Kunzt-Verkäufern vereinfachen. Denn genau, wie ich es vermutet hatte, blieben erstmal alle lieber in der Küche, und wussten nicht so recht, wie sie gemeinsam mit den Fremden ins Frühstück starten sollten.
Aber die Hinz&Kunzt-Verkäufer gingen offen auf uns zu, und freuten sich über das Frühstück und neue Gesichter. Mit der Zeit entstanden viele Gespräche und wir erlebten verschiedenste Reaktionen. Sabine erfuhr die komplette Lebensgeschichte von Raul, inklusive Kindheitsfotos. Und Bernds direkte Art führte zu einiger Verunsicherung: Er machte mehreren Mädels einen Heiratsantrag. „Ein Frühstück brauch ich nicht. Ich suche eine Wohnung und eine Frau.“ Gerhard, der bei der Hinz&Kunzt öfters online ist (es gibt dort zwei Computer für die Verkäufer) zeigte mir seinen Twitter-Account und seinen Blog. Von wegen offline ;)






Die Zeit verflog sehr schnell. Zu schnell, wie wir merkten. Natürlich wollten wir alle dabei sein, wenn Isabel uns mehr über Hinz&Kunzt erzählt, aber eigentlich wollten auch alle bei ihren Gesprächspartnern bleiben. Schließlich lösten wir uns, und erfuhren von Isabel (die an ihrem freien Tag extra für uns gekommen war. Danke!) mehr über die Hinz&Kunzt, die aktuelle Kampagne gegen Leerstand & Wohnungsnot: tuwasdagegen.de und Geschichten aus dem Alltag von Isabels Arbeit. Und natürlich über weitere Projekt, wie z.B. den Hinz&Kunzt Stadtrundgang: Hamburger Nebenschauplätze mit Peter und Fred. (Den ich aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann.)
Mich interessierten besonders die Geschichten, wie Brücken zwischen den verschiedenen Welten entstehen. Durch den Verkauf des Straßenmagazins wächst aus vielen Begegnungen mit der Zeit ein fester Kontakt. So wie bei dem Verkäufer aus der Langen Reihe, der viele Jahre einem Zahnarzt die Hinz&Kunzt verkaufte, und irgendwann von ihm ein Gebiss geschenkt bekam. Und danach von ihm zu einem gemeinsamen Urlaub eingeladen wurde.
Aber auch die Rückmeldungen aus unserem Team zum heutigen Frühstück waren spannend. Es zeigte sich, dass man sich in vielen Verkäufern und ihrem früheren Leben wiedererkennen kann. Und der Schicksalschlag, den sie erlebt hatten, jedem von uns passieren kann. Was vielleicht auch vielen Mensch Angst macht, mit ihnen ein Gespräch anzufangen, und ihr eigenes Risiko dort zu landen, zu erkennen? “Es ging einem sehr nahe diese Menschen zu treffen und zu sehen, dass sie genau sind, wie man selbst. Ich könnte hier genauso sitzen.“


Beeindruckt hat mich auch unser Gespräch bei einer kleinen Abschlussrunde in der Stadtbäckerei. Leider waren ein Teil der Frühstücks-Crew nicht mehr dabei. Einige von uns erzählten offen über eigene Schicksalsschläge, und wie man selbst auf der Straße hätte landen können. Es wurde über verschiedene Ansichten zu Leerständen und Gentrification diskutiert. Und alles auf eine schöne ehrlich direkte Art, wie man sie selten mit Menschen erlebt, die man gerade erst kennengelernt hat. Vielen Dank in diesem Sinne nochmal an alle Teilnehmer, die gestern dabei waren.
Kurzinfos zur Initiative:
Die Hinz & Kunzt vertritt in Hamburg die Interessen von Obdach- und Wohnungslosen, sowie sozial Benachteiligten bei Politikern, Behörden, Firmen und Verbänden. In Hamburg ist das monatlich erscheinende Straßenmagazin so gut wie jedem bekannt. Aber hinter den Kulissen passiert weit aus mehr als nur die Erstellung eines Magazins.
Meinungen zu dieser Aktion:
“Es war ein sehr harmonischer Vormittag, eine sehr persönliche+fröhliche Atmosphäre. Ich hatte das Gefühl, daß beide Seiten (Verkäufer+Hometowner) sich wirklich näher gekommen sind und sich ausgetauscht haben. Das Frühstück war liebevoll und lecker. Ihr dürft gerne wiederkommen :)” Isabel Schwartau, Hinz&Kunzt
“Hat mir gut gefallen, interessante Eindrücke, nette Kontakte.” Bernd
“Es hat mir sehr gut gefallen, die Verbindung zwischen Aktion, Kommunikation und Information war genau richtig. Es wirkte zu keiner Zeit gestellt/initiiert.” Ariane
“Tolle Aktion. Runde Sache über das Frühstück mit den H+K’s in Kontakt zu kommen und ihnen gleichzeitig etwas Gutes zu tun.” Sabine
Meine Learnings von heute:
Einigen halfen die Fragen vom Fragebogen ins Gespräch einzusteigen. Und andere hatten doch eher das Gefühl als „Touristen“ zu stören. Ein Lernprozess der für mich wichtig war, und mich über die weitere Arbeit mit Hometown Glory nachdenken lässt:

