25
Feb 12

Hinz&Kunzt Frühstück 18.2.2012

In Hamburg gibt es ca. 3500 wohnungslose und über 1000 obdachlose Menschen (Definitionen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit). Seit 1993 erscheint das Straßenmagazin Hinz&Kunzt einmal im Monat und gibt diesen Menschen die Möglichkeit wieder Verantwortung für sich zu übernehmen, ihr eigenes Geld zu verdienen und so eventuell wieder ein Dach über dem Kopf zu bekommen.

Am letzten Samstag war Hometown Glory zum dritten Mal bei dem Straßenmagazin zu Gast. Die Tourteilnehmer und Hometown Glory Organisatoren haben für die Verkäufer der Zeitung ein besonderes Frühstück vorbereitet, inklusive belegter Brötchen und Obstquark.

Nach der Vorbereitung aßen wir gemeinsam mit den Obdachlosen und hatten so die Gelegenheit in entspannter Atmosphäre uns mit ihnen auszutauschen, Fragen zu stellen und interessante und teilweise unglaubliche Geschichten zu hören. Im Anschluss haben wir uns mit Isabel Schwartau, Mitarbeiterin von Hinz&Kunzt, unterhalten. Sie hat etwas über den Hintergrund und die Geschichte der Zeitung erzählt und darüber welche Regeln es für neue und bestehende Verkäufer gibt. Wir konnten all die Fragen stellen, die uns vor und auch während der Begegnung mit den Verkäufern durch den Kopf gingen, auch diese, die wir uns gegebenenfalls nicht trauten die Betroffenen direkt zu fragen.

Die Zeit war wie immer viel zu kurz und man hätte stundenlang weiter miteinander sprechen können. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es noch einige Zeit brauchen würde all das Erlebte zu verarbeiten. Es war, wie schon die Male davor, eine sehr spannende und einmalige Erfahrung und bestimmt nicht die letzte Hometown Glory Tour bei der Hinz&Kunzt.

Und noch etwas interessantes zu wissen: Es gibt einen Hinz&Kunzt Shop. Dort kann man nicht nur die Sonderhefte, u.a. zu Themen wie Literatur, Hamburger Naturkost oder Kochrezepte, kaufen, sondern auch Dinge, wie Kaffee und Espresso. Der Kaufschlager ist allerdings das Kinderbuch „Ein mittelschönes Leben“, eine Geschichte für Kinder über Obdachlosigkeit.

Kurzinfos zur Initiative:

Hinz & Kunzt http://www.hinzundkunzt.de/
Die Hinz & Kunzt vertritt in Hamburg die Interessen von Obdach- und Wohnungslosen, sowie sozial Benachteiligten bei Politikern, Behörden, Firmen und Verbänden. In Hamburg ist das monatlich erscheinende Straßenmagazin so gut wie jedem bekannt. Aber hinter den Kulissen passiert weit aus mehr als nur die Erstellung eines Magazins.


Wir danken dem Orga-Team dieser Tour:

Anne
Coach
Ariane
Koordinatorin
Maret
Kommunikator

Text & Bilder: Maret Voss, Social Up


10
Mai 11

Hamburger Netzwerktreffen Inklusion

Heute fand im ViaCafelier das Netzwerktreffen Inklusion von Hometown Glory und R4H statt. Ziel war es, Initiativen und Angebote zu vernetzen, um sich gemeinsam stärker für ein barrierefreies Hamburg einsetzen zu können.

Die Aktion fand im Rahmen der “R4H mobil” – Radtour statt: Der Radfahrer Karl Grandt und zig Teilnehmer mit und ohne Handicap fahren diesen Mai auf Fahrrädern, Handbikes und Spezial-Rollstühlen durch Norddeutschland. Die Leistungen von ehrenamtlichen Helfern und Sportlern mit Behinderungen sollen so mehr in die Öffentlichkeit rücken. Und heute erreichte der R4H-Radfahrer Hamburg.

Um 15 Uhr stieg ich mit den Initiativen & Interessierten mit einem kurzen Warm-Up und dem Improspiel „Der schönste Tag“ in die gemeinsame Arbeit ein. Mit vielen Ideen der integrativen Theatergruppe :) Schnell lernten wir uns kennen und entdeckten erste Gemeinsamkeiten. Nach einem Snack vom ViaCafelier ging es weiter mit der Vorstellung der ersten Projekte.

Bernd Stehrenberg (Lebenshilfe Schenefeld) berichtete über das Forum Inklusion, das neben Aktionen zum Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai, auch eine Filmreihe ins Leben gerufen hat.
Sabrina Wendt erzählte uns mehr über den aktuellen Stand von dem trägerübergreifenden Treffpunkt in Harburg, an dessen Entstehung sie mitarbeitet.

… Und nun erschien auch bereits Karl Grand (R4H – Radio für barrierefreie Köpfe), der seine Route schneller als geplant geschafft hatte. Nach einer freudigen Begrüßung erzählte er uns von seinen bisherigen Erlebnissen und den Zielen von “R4H mobil” für 2012 (wenn auf 5000 km die Special Olympics in München und anschließend die Paralympics in London angesteuert werden sollen.)

Folker Holzhauer (Spielscheune der Geschichten) konnte von seiner 1-jährigen Radtour durch Australien berichten, in der er damals Informationen über integrative Einrichtungen gesammelt hatte. Und natürlich lud er auch alle Initiativen zu seinem Projekt dem “Spielen in der Luft” ein, das wir mit Hometown Glory bereits letztes Jahr besuchten.
Lucia Safa (Sozialer Treffpunkt Kirchdorf Süd) und ihre Theatergruppe wollten daraufhin bald einen Ausflug zur Spielscheune planen. Lucia berichtete über den Sozialen Treffpunkt Kirchdorf-Süd und die aktuelle Förderungslage. Auch das letzte Stück der Theatergruppe & die nächsten Pläne wurde besprochen.
Frank Nestler (Leben mit Behinderung) hätte über viele Projekte erzählen können, aber stellte heute das Leuchtturmprojekt “Hamburger Kulturschlüssel” vor. Der Hamburger Kulturschlüssel vermittelt freiwillige Begleiter und bei Bedarf Freikarten für Kunst & Kultur, damit alle das kulturelle Leben Hamburgs genießen können.
Johannes Seebass (Schlumper) beleuchtete für uns die Idee der “Schule der Schlumper”, und wie die Zusammenarbeit zwischen den Schülern und den Schlumpern zu Erfolgen führt.
Karen Haubenreisser (Evangelische Stiftung Alsterdorf, Projekt Q8) schilderte, wie sie sich im Rahmen von Q8 für Netzwerke einsetzt, die gemeinsam Inklusion im Quartier und barrierearme Strukturen stärken, insbesondere bei der Mitgestaltung der Neuen Mitte Altona.

So kamen heute viele verschieden Akteure und Ideen aus Hamburg zusammen. Noch während der Vorstellungsrunde merkten wir, dass es viel zu besprechen gibt, und für die weitere Zusammenarbeit wurden Kontaktdaten ausgetauscht und erste Ideen entworfen.

Ayshe von der Theatergruppe hatte bereits einen klasse Einfall: Wie wäre es, wenn wir das Netzwerktreffen zu einer kleinen Sommertour ausweiten, bei der sich die Initiativen gegenseitig besuchen und miteinander etwas unternehmen. Eine Idee die sich auch prima mit Hometown Glory – sozialer Abenteuerurlaub verbinden könnte!


11
Apr 11

So hilft Zivilcourage nicht.

Ich komm gerade aus der Bahn. Neben mir saßen zwei angetrunkene Penner, die sich immer lauter in rechte Parolen steigerten. Das einzige was ich sie gebeten habe, ist, ob sie leiser sein könnten. Worauf sich sofort die Rollen der beiden zeigten. Der Krawallmacher wurde lauter (aber nicht bedrohlich), sein bester Freund ging sofort in die Beruhigungsmaßnahmen über. Aber sie wurden ruhiger. Und wären es wohl auch geblieben. Wäre da nicht das “couragierte” Pärchen gewesen, das mich nun “unterstützen” wollte. Mit provokativen und beleidigenden Sprüchen. Der beste Freund konnte seinen Krawallmacher zum Glück noch nach draußen bringen. Aber das Ganze endete mit einer zerschmissenen Bierflasche am Fenster, und damit mit einem Polizeieinsatz.

Zivilcourage bei Auseinandersetzungen bedeutet Deeskalition, Krawall und Streit zu verhindern, und andere zu schützen. Wenn ich sehe, wie so manche “couragierte” Menschen handeln, ärgere ich mich. Wir brauchen Rebekkas Zivilcourage-Kurse als Pflichtfach oder sonstwas. Wie kann man nur denken mit Provokation etwas zu verbessern? Idioten.


6
Apr 11

Ein Frühstück mit Hinz&Kunzt – die zweite Runde

Nach unserem 1. Frühstück mit der Hinz&Kunzt erreichten mich viele Anfragen, diese Aktion zu wiederholen. Und so starteten wir am 2.April zur 2.Runde mit einem besonderen Frühstück.

Um 9 Uhr trafen wir uns, und starteten nach einem kurzen Kennenlernen und Warm-Up in die Frühstücksvorbereitung. Eigentlich hatten wir neben den belegten Broten & Vitaminen auch Waffeln geplant, aber dann änderten wir unseren Plan kurzfristig in: Rührei. Wir wurden auch wieder tatkräftig von Ariane unterstützt. Bei der letzten Aktion war sie noch mit Hometown Glory dabei, und steht mittlerweile als Ehrenamtliche bei der Hinz&Kunzt hinterm Kaffeetresen.

Kurz vor 11 Uhr trudelten die ersten Verkäufer ein. Das Rührei erfreute sich großer Beliebtheit. Bekannte Gesichter vom letzten Mal waren auch wieder da. Gerhard hatte sich schon via facebook angekündigt und für das Frühstück angemeldet. In gemütlicher Runde erfuhren wir mehr über die Verkäufer & aktuelle Themen. Viel diskutiert war die geplante Preiserhöhung des Straßenmagazins. Seit ein Papiersponsor abgesprungen ist, soll der Preis von 1,70 auf 1,90 Euro erhöht werden. Da die meisten Käufer 2,- Euro zahlen, und den Rest spenden, sinkt die Spende für die Verkäufer sehr wahrscheinlich von 30 Cent auf 10 Cent. Die Hinz&Kunzt sucht daher weiter nach Papiersponsoren.

Da wir eine kleine Gruppe waren, ging es zum Info-Teil der Veranstaltung dieses Mal in Isabels Büro. Ich erwartete nichts Neues, da ich ja bei der letzten Veranstaltung bereits alle Infos erfahren hatte. Dachte ich. Aber in Isabels Büro fand sich dann die erste Hinz&Kunzt (von der nur noch drei Ausgaben erhalten sind). Und mit den Hometownern ändern sind auch die Interessen. So erzählte Oli von seinen Rucksackreisen, und wie schwer er es fand, wieder fest an einen Ort zu ziehen. Er konnte sich gut vorstellen, dass es einem Obdachlosen nicht leicht fällt, wieder in ein Leben mit Wohnung (und den damit verbundenen Verpflichtungen) einzusteigen. Alex, die mit Langzeitsarbeitslosen arbeitet, interessierte sich mehr für die Motivation der Verkäufer. Sabine, Bernd und ich, die schon beim letzten Frühstück dabei waren, erfuhren so noch einmal viel Neues über die Hinz&Kunzt aus ganz anderen Perspektiven. Wieder einmal ein spannender Vormittag mit vielen neuen Eindrücken.

Kurzinfos zur Initiative:

Hinz & Kunzt http://www.hinzundkunzt.de/
Die Hinz & Kunzt vertritt in Hamburg die Interessen von Obdach- und Wohnungslosen, sowie sozial Benachteiligten bei Politikern, Behörden, Firmen und Verbänden. In Hamburg ist das monatlich erscheinende Straßenmagazin so gut wie jedem bekannt. Aber hinter den Kulissen passiert weit aus mehr als nur die Erstellung eines Magazins.

31
Mrz 11

Hometown Glory Begegnung der Kulturen – persisches Frühlingsfest

Am 26.3 trafen wir uns, um die Spielscheune der Geschichten beim persischen Frühlingsfest zu unterstützen. Nach einer freundlichen Begrüßung wurden wir direkt für das Frühlingsfest “dekoriert”: Als Symbol für den Frühling mit grünen Tüchern und rot-grün-gelb-weiße Armbändern. Ulla von der Spielscheune erzählte uns, dass Novrouz bereits das dritte Mal hier gefeiert wird. “Es werden Originalbräuche in ungefährliche Spiele gewandelt. Die meisten Ideen dazu kommen von Faten Charbetgen, die aus dem syrischen Raum stammt, und die Spielscheune als ehrenamtliche Märchenerzählerin unterstützt. Sie ist schon seit der Planung der Spielscheune mit viel Engagement dabei.”

Support gab es dann auch von den Teamern – Jugendlichen, die eigentlich zu alt für die Spielscheune sind, die aber helfen & und dann auch auf die Klettergeräte dürfen. Unsere Aufgabe bestand darin bei den Spielen helfend zur Hand zu gehen, Gegenstände zu verstecken, und Spaß zu haben ;)

Nach einer kurzen Einführung in das Programm und der Vorstellung der Spielscheune, ging es los. Ulla startete mit einer kurzen Erzählung zum Novrouz und einem Gedicht zum Mitmachen. Als erstes Spiel ging es weiter mit einer Mutprobe: Wer traut sich über das Feuer zu springen? (Das Feuer ist in diesem Fall ein Springseilspiel.) Alle Kinder meldeten sich begeistert. „In der Legende trägt Feuer eine große Bedeutung und demonstriert die Freiheit“. Nach der Mutprobe hatten die Kinder Zeit sich mit den vielen Möglichkeiten der Spielscheune zu beschäftigen. (Seit unserem letzten Besuch hat sich viel getan, es sind viele neue Geräte dazu gekommen, und ein Maler hat die Wände gestaltet. Das Spielen in der Luft, wird so zum Spielen in den Sternen.)

Und dann ertönte der Gong. Der ist den meisten schon bekannt. „Jetzt gibt es Geschichten“, hörte man es aus verschiedenen Ecken, und alle folgten Ulla in den Märchensaal. Nach spannenden Märchen, und einem Suchspiel bei dem wir typische Dinge des Novrouz finden mussten, ging es dann darum die Sorgen des Winters hinter sich zu lassen. Im Original wirft man Steine hinter sich ins Wasser. Wir warfen mit Bällen hinter uns in eine blaue Box.

Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Was auch positiv aufgefallen ist: hier darf jeder sein eigenes Essen mitbringen. Samstag wurden so die Kulturen auch auf den Tischen in Form von verschiedensten Speisen sichtbar.

Kurzinfos zur Initiative:

Spielscheune der Geschichten http://www.spielscheune-der-geschichten.de
Die Spielscheune der Geschichten ist ein wunderbarer Ort für alle Kinder, an dem Sie miteinander Spielen und Geschichten aus verschiedenen Kulturen erleben können. Sie steht in Allermöhe, dem Stadtteil mit der wahrscheinlich größten kulturellen Vielfalt Hamburgs. Hier leben Menschen aus der Türkei, Afghanistan, Polen, aus den GUS-Staaten, aus Serbien & Montenegro, dem Iran, Griechenland,… Und auch für behinderte Kinder gibt es hier eigene Angebote, wie wir bereits bei einer Tour im letzten Sommer erlebten.

7
Feb 11

Hometown Glory Begegnung: Ein Frühstück mit Hinz&Kunzt

Eine neue Aktion, eine neue Situation und viele neue Menschen. Gestern ging es weiter mit der nächsten Veranstaltung von Hometown Glory zur Vernetzung der Stadt. Dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Straßenmagazin Hinz & Kunzt.

Die Idee: Am 5. Februar 2011 bereiten wir den Hinz & Kunzt – Verkäufern eine Freude, und organisieren für sie ein schönes Frühstück. Es geht um Wertschätzung, und wir werden uns daher etwas mehr Mühe beim Dekorieren geben. Nach dem gemeinsamen Frühstück wird uns Isabel Schwartau von Hinz & Kunzt in einem Vortrag mehr über das Projekt erzählen.

Und so ging es um 9h in Altona los: Nach einem kurzen Kennenlernen und Orga, ging es zum Einkauf, und dann gemeinsam zu den Räumen von Hinz&Kunzt. Dort trafen wir dann um 10h ein, und starteten mit der Vorbereitung des Frühstücks.

Mit Isabel hatte ich mir in der Vorarbeit überlegt, dass wir als Hilfestellung einen Fragebogen an das Frühstücksteam geben. Dieser sollte den Kontakt zu den Hinz&Kunzt-Verkäufern vereinfachen. Denn genau, wie ich es vermutet hatte, blieben erstmal alle lieber in der Küche, und wussten nicht so recht, wie sie gemeinsam mit den Fremden ins Frühstück starten sollten.

Aber die Hinz&Kunzt-Verkäufer gingen offen auf uns zu, und freuten sich über das Frühstück und neue Gesichter. Mit der Zeit entstanden viele Gespräche und wir erlebten verschiedenste Reaktionen. Sabine erfuhr die komplette Lebensgeschichte von Raul, inklusive Kindheitsfotos. Und Bernds direkte Art führte zu einiger Verunsicherung: Er machte mehreren Mädels einen Heiratsantrag. „Ein Frühstück brauch ich nicht. Ich suche eine Wohnung und eine Frau.“ Gerhard, der bei der Hinz&Kunzt öfters online ist (es gibt dort zwei Computer für die Verkäufer) zeigte mir seinen Twitter-Account und seinen Blog. Von wegen offline ;)

Die Zeit verflog sehr schnell. Zu schnell, wie wir merkten. Natürlich wollten wir alle dabei sein, wenn Isabel uns mehr über Hinz&Kunzt erzählt, aber eigentlich wollten auch alle bei ihren Gesprächspartnern bleiben. Schließlich lösten wir uns, und erfuhren von Isabel (die an ihrem freien Tag extra für uns gekommen war. Danke!) mehr über die Hinz&Kunzt, die aktuelle Kampagne gegen Leerstand & Wohnungsnot: tuwasdagegen.de und Geschichten aus dem Alltag von Isabels Arbeit. Und natürlich über weitere Projekt, wie z.B. den Hinz&Kunzt Stadtrundgang: Hamburger Nebenschauplätze mit Peter und Fred. (Den ich aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann.)

Mich interessierten besonders die Geschichten, wie Brücken zwischen den verschiedenen Welten entstehen. Durch den Verkauf des Straßenmagazins wächst aus vielen Begegnungen mit der Zeit ein fester Kontakt. So wie bei dem Verkäufer aus der Langen Reihe, der viele Jahre einem Zahnarzt die Hinz&Kunzt verkaufte, und irgendwann von ihm ein Gebiss geschenkt bekam. Und danach von ihm zu einem gemeinsamen Urlaub eingeladen wurde.

Aber auch die Rückmeldungen aus unserem Team zum heutigen Frühstück waren spannend. Es zeigte sich, dass man sich in vielen Verkäufern und ihrem früheren Leben wiedererkennen kann. Und der Schicksalschlag, den sie erlebt hatten, jedem von uns passieren kann. Was vielleicht auch vielen Mensch Angst macht, mit ihnen ein Gespräch anzufangen, und ihr eigenes Risiko dort zu landen, zu erkennen? “Es ging einem sehr nahe diese Menschen zu treffen und zu sehen, dass sie genau sind, wie man selbst. Ich könnte hier genauso sitzen.“

Beeindruckt hat mich auch unser Gespräch bei einer kleinen Abschlussrunde in der Stadtbäckerei. Leider waren ein Teil der Frühstücks-Crew nicht mehr dabei. Einige von uns erzählten offen über eigene Schicksalsschläge, und wie man selbst auf der Straße hätte landen können. Es wurde über verschiedene Ansichten zu Leerständen und Gentrification diskutiert. Und alles auf eine schöne ehrlich direkte Art, wie man sie selten mit Menschen erlebt, die man gerade erst kennengelernt hat. Vielen Dank in diesem Sinne nochmal an alle Teilnehmer, die gestern dabei waren.

Kurzinfos zur Initiative:

Hinz & Kunzt http://www.hinzundkunzt.de/
Die Hinz & Kunzt vertritt in Hamburg die Interessen von Obdach- und Wohnungslosen, sowie sozial Benachteiligten bei Politikern, Behörden, Firmen und Verbänden. In Hamburg ist das monatlich erscheinende Straßenmagazin so gut wie jedem bekannt. Aber hinter den Kulissen passiert weit aus mehr als nur die Erstellung eines Magazins.

Meinungen zu dieser Aktion:

“Es war ein sehr harmonischer Vormittag, eine sehr persönliche+fröhliche Atmosphäre. Ich hatte das Gefühl, daß beide Seiten (Verkäufer+Hometowner) sich wirklich näher gekommen sind und sich ausgetauscht haben. Das Frühstück war liebevoll und lecker. Ihr dürft gerne wiederkommen :)” Isabel Schwartau, Hinz&Kunzt

“Hat mir gut gefallen, interessante Eindrücke, nette Kontakte.” Bernd

“Es hat mir sehr gut gefallen, die Verbindung zwischen Aktion, Kommunikation und Information war genau richtig. Es wirkte zu keiner Zeit gestellt/initiiert.” Ariane

“Tolle Aktion. Runde Sache über das Frühstück mit den H+K’s in Kontakt zu kommen und ihnen gleichzeitig etwas Gutes zu tun.” Sabine

Meine Learnings von heute:

Einigen halfen die Fragen vom Fragebogen ins Gespräch einzusteigen. Und andere hatten doch eher das Gefühl als „Touristen“ zu stören. Ein Lernprozess der für mich wichtig war, und mich über die weitere Arbeit mit Hometown Glory nachdenken lässt:


Ein Ziel von Hometown Glory ist die Vernetzung der Stadt. Wir leben fast alle in unserer eigenen kleinen Welt. Mit Freunden die unsere Ansichten teilen. Aber für eine Partizipation in der wir unsere Stadt mitgestalten, und in der Vielfalt möglich ist, ist es wichtig seinen Horizont für andere Perspektiven zu öffnen. Hometown Glory schafft erste Begegnungen mit anderen engagierten Personen. Als Gruppe begleiten wir die Aktivität einer Initiativen, und helfen. Und der Einzelne in unserem Team entdeckt vielleicht für sich einen neuen Ort, an dem er bleiben und sich engagieren möchte. Aber wie schafft man es nicht nur als Tourist zu erscheinen. Wie begegnet man dem Fremden?


3
Feb 11

Balduins Box – Trost spenden & große Gefühle begleiten

Am Samstag trafen wieder engagierte Hamburger aufeinander, um gemeinsam bei einer Hometown Glory Aktion die Stadt weiter zu entwickeln. Dieses mal halfen wir der Initiative Balduins Box weitere Boxen für ihr Pilotprojekt zu basteln.

Nach einer kurzen Begrüßung, und der Vorstellung des Veranstaltungsortes ViaCafélier, erzählte uns Daniela (eine der Gründerinnen der Initiative) ihre Geschichte. Wie sie damals ihren Sohn Balduin verloren hatte, und sie als Hilfestellung für andere Eltern in einer ähnlichen Situation zusammen mit Tina die Initiative gründete.

Die Stimmung wurde sofort etwas stiller. Und jeder fragte sich, wie man denn jetzt seine Box gestalten soll, um den Eltern Trost zu spenden. Aber darauf war Daniela vorbereitet, und erklärte, was sich in den Boxen befindet und welche Motive sich gut eignen. Und dann wurde losgelegt. Jeder wurde kreativ, und zum Schluß hatten wir alle 30 Boxen bemalt, und beendeten die Aktion bei einem gemütlichen Glühwein. Die fertigen Boxen gehen nun an das Pilotprojekt, eine Kinderklinik in Köln, die schon vor Weihnachten die ersten 6 Boxen verteilen musste, und nun Nachschub braucht.

Langfristig überlegen Daniela und Tina die Boxen von Schulen gestalten zu lassen, und freuen sich über Kontakte.

Kurzinfos zu den Initiativen:

Balduins Box http://www.balduins-box.org/
Die Initiative Balduins Box hat es sich zur Aufgabe gemacht, Eltern und Verwandte, die ein Kind durch Krankheit oder einen Unfall verlieren, zu unterstützen. Das Projekt umfasst neben Schulungen für das Klinik- und Pflegepersonal eine Akut-Box, in der sich tröstende Texte und Gegenstände befinden, die helfen, den schweren Moment des Abschiednehmens würdig zu gestalten.

 

ViaCafélier http://www.viacafelier.de/
Das ViaCafélier als Veranstaltungsort bietet als Projekt des Nussknacker e.V. zahlreiche Möglichkeiten zur Arbeitsbelastungserprobung für Menschen mit psychischer Erkrankung. Sie sind eingebunden in Service-, Küchen- und Catering-Tätigkeiten. Das ViaCafélier schafft vielseitige Begegnungen in Hamburg-Bahrenfeld. Wir suchen zur abwechslungsreichen Gestaltung immer wieder Interessenten, die sich im ViaCafélier einbringen, z.B. in Form von Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen oder Workshops. Des Weiteren können unsere Räume für Kochkurse oder Veranstaltungen genutzt werden.

5
Sep 10

Aktion beim UrbanCamp: Besuch im Pavillondorf Mattkamp

Nachmittags ging es heute beim UrbanCamp mit der FreiwilligenBörse Hamburg nach Billstedt.

Nur 15min von dem Ort, wo ich aufgewachsen bin und 13 Jahre meines Lebens verbracht habe, leben 360 Menschen (wohnungslose Alleinstehende sowie Flüchtlinge vor allem aus Afghanistan und Aserbeidschan) auf der grünen Wiese am Stadtrand von Hamburg und am Rande der Gesellschaft.

Die FreiwilligenBörse Hamburg startet zur Zeit ein Angebot mit ehrenamtlichen Helfern im Pavillondorf, für das noch engagierte Hamburger gesucht werden. Zum Beispiel, um Hausaufgaben zu betreuen, Deutschkurse anzubieten, oder Bewohner zu Ämtern zu begleiten.

Zusammen mit vier weiteren UrbanCampern trafen wir im sonnendurchfluteten “Schwedendorf” ein und wussten zuerst nicht so recht, wie wir in Aktion treten können.

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5
Sep 10

Aktion beim UrbanCamp: Zweikampfverhalten

Das UrbanCamp in Hamburg startete heute morgen für Frauke und 5 weitere UrbanCamper mit einem Workshop von Zweikampfverhalten.

Zweikampfverhalten ist eine konkrete Reaktion auf Gewalttätigkeit im Jugendfussball. Der Workshop wurde geleitet von Coolness Trainerin Rebekka und zwei ehemaligen Programmteilnehmern: Henry und Eric.

Und wir bekamen einen intensiven Schnelldurchlauf in Trainingsmodule, die die Jugendlichen in sieben Trainingseinheiten (teilweise mit HSV Profispielern) durchlaufen.

Zum Beispiel zeigten uns Henry und Eric eine Situation aus der Einheit “Körpersprache”.

Handelt es sich hier um eine Rettungsaktion oder um ein Gerangel auf dem Fussballplatz? Die Meinung bei uns Teilnehmern war ca. 50-50.

Was mich besonders bei dem Einblick faszinierte waren die Elemente von QiGong und Aikido in dem Training, was wir heute erlebten. Zwei Haltungen, die mir schon oft beim Art of Hosting über den Weg gelaufen sind und womit ich mich bald näher beschäftigen werde.

Weitere Infos zu Zweikampfverhalten gibt es auf der Webseite und bei facebook.

(Dieser Artikel wurde verfasst von Frauke Godat. Vielen Dank!)


5
Sep 10

Zweikampfverhalten beim UrbanCamp

Wir befinden uns heute im Werkheim um zusammen mit den Referenten Henry, Eric und Rebekka an unserem Zweikampfverhalten zu arbeiten.

Bei Eric und Henry handelt es sich um zwei Schüler, die Mitglieder der Zweikampfverhalten-Gruppe sind und die Aufgabe übernommen haben die heutige Gruppe, bestehend aus Teilnehmern des UrbanCamps, mit dem Programm und den Praktiken von Zweikampfverhalten vertraut zu machen. Rebekka ist eine der Initiatoren des Projektes und leitet die Gruppen als Coolness-Trainerin. Die Übungen, Methoden und Verhaltensweisen mit denen wir vertraut gemacht werden sind darauf ausgelegt, Jugendlichen den Umgang mit Gewalt und deren Prävention zu ermöglichen. Die Teilnehmer am Coolness-Training setzen sich üblicherweise aus Fußballer_innen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren zusammen, die durch aggressives Verhalten auf dem Spielfeld aufgefallen sind.

Der Zweikampfverhalten e.V. entstand als Reaktion auf die zunehmende Gewalttätigkeit unter Jugendlichen im Amateurfußball. Mannschaftssport als Form sozialer Interaktion ist ein Katalysator für im Alltag aufgestaute Aggressionen. Das Projekt will sich diesen Umstand zu Nutze machen und setzt direkt dort an wo sich Frust, Enttäuschung und Ärger in gewalttätigen Aktionen Bahn brechen. Wer es schafft dem Gegner im Wettkampf Respekt und Fairness entgegenzubringen schafft dies womöglich auch im Alltag. Durch die Unterstützung von Fußballprofis bekommen die Regeln und Übungen eine nachvollziehbarere Bedeutung für die Jugendlichen. Sie sind mit der Lebenswelt und den Interessen der Teilnehmer verkoppelt.

Das Projekt Zweikampfverhalten erhält Unterstützung vom HSV (Der Hamburger Weg) dessen Spieler zusammen mit der Gruppe trainieren und mit den jungen Fußballern über faires Verhalten auf dem Spielfeld sprechen. Außerdem konnte das Projekt in Hamburg den Gefangene helfen Jugendlichen e.V. und Kampf der Künste als Sponsor gewinnen. In Stuttgart wird der Zweikampfverhalten e.V. durch den VfB Stuttgard und die Evangelische Gesellschaft Stuttgart unterstützt.

Henry und Eric berichten uns von ihren Erfahrungen mit der Gruppe und den Erfahrungen in ihrem sozialen Umfeld. Die Situationen aus denen aktive Gewalt entsteht gleichen sich zumeist in allem Bereichen des Alltages. Sei es die Rempelei im Club, die Pöbelei auf der Straße oder eben auf dem Spielfeld, Gewalt ist allgegenwärtig. Die beiden Schüler zeigen uns verschiedene Situationen mit Konfliktpotenzial auf und bringen sie uns so ins Bewusstsein. Dann besprechen sie mit uns verschiedene Möglichkeiten, wie offensive Gewalt durch vorausschauendes Handeln und Verhaltensstrategie vermeidbar ist.

Das Wissen der Beiden kommt nicht von ungefähr und basiert auf einer Anzahl von Regeln, die die Mitglieder der Gruppe einhalten müssen. So entsteht ein Gefühl für die Zusammenhänge und Erfordernisse von Gruppenprozessen und das Einhalten einer verbindlichen Ordnung, im Sinne aller Beteiligten. Natürlich hat jede/r Gruppenteilnehmer_in jederzeit das Recht die Sitzung zu unterbrechen und sich zu für ihn/sie problematischen Aktionen zu äußern. Wir beginnen mit einer Einführung, die durch die Referenten moderiert wird und stellen uns zunächst einander vor. Mit einer Runde Qigong lockern wir uns auf und gehen dann zum Aufsteh-Spiel über. Dabei werden einfache Aussagen verlesen: Ich bin sportlich; Ich interessiere mich für Fußball; Ich bin schon einmal bedroht worden. Das Aufsteh-Spiel dient dem Herstellen einer gemeinsamen Basis. Wer einer Aussage zustimmt steht auf setzt sich wieder.

So vereinen die Praktiken innerhalb der Gruppe den Einsatz von Körper und Geist und stellen einen ganzheitlichen Effekt her. Das Projekt verbucht erste Erfolge die exemplarisch an Henry und Eric abzulesen sind. Der Zweikampfverhalten e.V. lebt wie jeder andere Verein vom Mitmachen und heißt Interessenten herzlich willkommen. Informationen über Programm und die Verantwortlichen können über Facebook oder direkt über die Webseite des Vereins www.zweikampfverhalten.de eingeholt werden.

(Dieses Beitrag wurde geschrieben von Jan Knackstedt. Vielen Dank)